Heinrich Heine im Werk von Bert Gerresheim

Vortrag von Simone Pohland am
Dienstag, 8. März 2016, im Stiftssaal St. Margareta in Gerresheim

Zu dem Vortrag kamen ca. 60 interessierte und fachkundige Gäste, zum Teil aus entfernteren Stadtteilen von Düsseldorf.

Vortrag_Bert_Gerresheim_2016
Dreimal in seinem Leben hat der Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim sich gründlich mit Düsseldorfs größtem Sohn, dem Dichter Heinrich Heine, auseinandergesetzt. Dreimal entstand danach ein Denkmal, zwei sind in Düsseldorf zu sehen, eins steht in der Walhalla bei Regensburg.

Die Auseinandersetzung mit Heine begann für den heute 80jährigen Gerresheim vor fast 40 Jahren, ihr vorläufiges Ende fand sie 2012.
Äußerst gründlich hat sich die in Kunstgeschichte und Germanistik ausgebildete Künstlerin Simone Pohlandt mit diesem Aspekt des vielfältigen Schaffens von Bert Gerresheim beschäftigt und das Ergebnis ihrer Bemühungen in einem neuen Buch veröffentlicht. Die wichtigsten ihrer Einsichten präsentierte sie auf Einladung des Kulturkreises Gerresheim und der Bürgerstiftung Gerricus in einem Vortrag in dem zur Basilika St. Margareta gehörenden Stiftssaal im Zentrum von Düsseldorf Gerresheim. Gewisssermaßen als Ehrengast war auch der Bildhauer Bert Gerresheim dabei. Pohlandt zeigte vor allem am Heine-Monument, das am Schwanenmarkt in Düsseldorf steht, dass Gerresheim eine grundsätzlich andere Herangehensweise an sein Thema hatte, als es vor allem im 19. Jahrhundert, aber auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich war. Gerresheim stellte nicht einfach eine Figur in den öffentlichen Raum, bei der der Betrachter weiß, um was es geht oder auch nicht – er lädt seit 1981 durch eine völlig andere Gestaltung des Monuments dazu ein, sich mit dem Werk Heines, dessen Rezeption in Deutschland, aber auch mit dem persönlichen Schicksal des Dichters zu beschäftigen. Sehr bald wurde deshalb für das Monument auch die Bezeichnung “ Fragmal“ gefunden. Zentrale Blickfänge des als begehbare Landschaft gestalteten Monuments sind einmal der Kopf Heines, überdimensional nach der Totenmaske des Dichters entworfen, zum zweiten mehrere Plateaus, die insgesamt den Eindruck einer Matratzengruft hinterlassen, dem Ort, in dem der kranke Dichter die letzten acht Jahre seines Lebens verbrachte. Dazu weitere Bildelemente: Das Buch der Lieder in Bronze, eine Trommel erinnert an Heines Trommler Le Grand, eine Schere an die Zensur, vor der Heine nach Paris flüchtete, Schuhe an seine Liebe zu den Frauen. Ein scharfer Schnitt durch den Kopf betont die Abwesenheit jeder harmonisierenden Weltsicht. Über allem ein rechteckiges Gestänge, eine Erinnerung an den Glassturz, unter dem Heines Totenmaske in Düsseldorf aufbewahrt wird.

von links: Sigrid Hirsch (Vorsitzende des Kulturkreises Gerresheim), Simone Pohland und Bert Gerresheim

von links: Sigrid Hirsch (Vorsitzende des Kulturkreises Gerresheim), Simone Pohland und Bert Gerresheim

Der Schnitt als Stilmittel spielt auch eine wichtige Rolle in Gerresheims zweiten Heine-Denkmal, dem in der Walhalla. Heine selbst hatte sich über die Ehrenhalle, die der bayerische König Ludwig I. gegründet hatte, lustig gemacht. Jetzt ist auch er dort zu sehen, wie es vorgeschrieben ist in einer Form, die an antike Büsten erinnert. Aber nicht ganz, ein Schnitt durch die Figur weist darauf hin, dass die vorgebliche Harmonie täuscht.

Ganz anders wieder Gerresheims drittes Heine-Denkmal, eine Bronze-Plastik in der nach einigen Wirren nach dem Dichter benannten Düsseldorfer Universität. Die Plastik ist ein Buch, das an einer Seite ein Bild des jungen Heine zeigt, an der anderen eins des Todkranken. Dazwischen ein Heine-Text, der betont, dass das Leben kein Mittel, kein Zweck, sondern ein Recht ist.

Nach dem Vortrag wurde in mehren Beiträgen gesagt, dass es vor allem vor dem Errichten des ersten Heine-Monuments Auseinandersetzungen über die Gestaltung gab. Ganz kurz blitzt auch nach einmal der Namensstreit um die Uni auf. Als ein Besucher meinte, da habe sich wieder einmal ein Streit zwischen den politischen Lagern rechts und links gezeigt, widersprach ein anderer Besucher äußerst heftig. Die Uni sei aus der früheren medizinischen Akademie entstanden, deshalb hätten die Mediziner ein Vorschlagsrecht beansprucht, aber niemanden gefunden, nach dem sie die Universität hätten benennen können.

Über Weg und Steg

Historische Straßen und Hohlwege im Osten von Gerresheim
Führung mit Peter Schulenberg, 12. März 2016 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Bei frühlingshaftem Sonnenschein trafen sich 45 motivierte Wanderfreunde vor der Basilika um Peter Schulenberg über die Gerresheimer Höhen zu folgen.

Parallel zum Dernbacher Weg ging es bergauf vorbei am ersten zu erkundenden Hohlweg auf die Oberterrasse des Rheins. Am Mausweg angelangt, wurde über die verschiedenen Deutungen des Namens nachgedacht: Am besten gefiel schließlich die Deutung „Ware“; denn der heutige Rothäuser Weg war in früher Zeit ein wichtiger Transportweg aus dem Raum Essen/Duisburg nach Köln. Viele Wege und Straßen müssen früher das Gelände durchzogen haben; denn es gab in dieser landwirtschaftlich ergiebigen Gegend viele Katen, kleine Höfe und Rittergüter, von denen die bäuerlichen Produkte zum Markt gebracht wurden.

Der nächste Hohlweg führt ins Tal und soll der schönste im Düsseldorfer Raum sein. Man gelangte zum Schäpershof, wo früher Kaltblut Stuten gehalten wurden.

Führung "Über Weg und Steg" im März 2016

Führung „Über Weg und Steg“ im März 2016


Nun folgte eine Strecke, die abenteuerlich wurde: Bäume waren umgestürzt und mussten über- oder unterklettert werden. Im Anschluss mussten große Matschbereiche überwunden werden, was aber mit viel Gelächter und gegenseitiger Hilfe gepackt wurde. Die Landschaft ist hier außergewöhnlich schön, so dass.total verschlammte Schuhe in Kauf genommen wurden.

Selbst der Zwillingskinderwagen und die vier kleinen Kinder überstanden mit ihren Eltern und dank gemeinsamer Hilfe alle Schwierigkeiten und kamen schließlich Punkt Glockenschlag 6 Uhr vergnügt und sehr zufrieden in Gerresheim an.

Die Wanderung und die vielen historischen Informationen wurden sehr gelobt und Peter Schulenberg herzlich gedankt.

17. Große Kunstausstellung

Luft ist nicht nichts

Im September 2015 sorgte die 17. Große Kunstausstellung des Gerresheimer Kulturkreises e.V. für Aufsehen. Die Gemeinde St. Margareta hatte für diese Kunstausstellung die romanische Basilika St. Margareta und das Stiftsgebäude zur Verfügung gestellt. Zu dem Thema: „Luft ist nicht nichts“ stellten 20 Künstler ihre Arbeiten aus. In verschiedenen Themenkreisen wie Wasserdampf, Tiefdruck, Himmelswesen, Segel setzen, Luftdruck, Luftbewegung, Dicke Luft fügten sich die Arbeiten der Künstler zusammen. Die Ausstellung zog über 1.000 Besucher in vier Tagen an. Ein besonderes Highlight war das schwebende Luftschiff des international arbeitenden Künstlers Jens J. Meyer in der Kirche.

Jens J. Meyer bei der Installation seines Luftschiffes in der Basilika

Jens J. Meyer bei der Installation seines Luftschiffes in der Basilika

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Die sphärischen Klänge des Thereminspielers Christian Striezel zur Eröffnung beeindruckten die Besucher und der Raum wurde zu einem bebenden Luftraum. Die Musikerfamilie Wallrath experimentierte in ihrem Konzert als Begleitprogramm zur Ausstellung mit eigenen Luftkompositionen im Kunstraum.

Kulturreisen

Der Kulturkreis bietet thematische Tages- und Mehrtagesfahrten an, in denen sich alle Aspekte der vielfältigen Kulturszene widerspiegeln. Organisiert werden diese Reisen in Zusammenarbeit mit einem Gerresheimer Reiseveranstalter, der sich auf die Konzeption regionaler und überregionaler Kulturreisen spezialisiert hat.

Vom Besuch des kustvollen Blumenteppichs in Brüssel bis zu einer mehrtägigen Zeitreise in vergangene Epochen des friderizianischen Potsdam. Das Angebot ist vielfältig und trifft damit die unterschiedlichen Ansprüche unserer Mitglieder.

Auch Tagesfahrten zu aktuellen Kunstausstellungen und geführte Wanderungen in abwechslungsreiche Landschaften gehören zum Angebot.